Umschwung

 m.  Z des Umschwunges, Umschwungs die Umschwünge

Bedeutungen

[1] grundlegende Veränderung einer Lage (beispielsweise der politischen, sozialen oder wirtschaftlichen Lage, des Wetters, der Stimmung)
[2] Schwingung im Kreise herum, Drehbewegung (zum Beispiel der Planeten, eines Motors)
[3] Sport: Turnübung am Reck, volle Drehung
Herkunft
Substantiv zum Verb umschwingen, belegt seit dem 18. Jahrhundert❬ref❭Hermann Paul: Deutsches Wörterbuch, Stichwort „umschwingen“.❬/ref❭
Synonyme
[1] Wendung, Wende, Umbruch, Wandel, Wechsel
Gegenwörter
[1] Stillstand, Beharrung, Aufschub, Zurückstellung
Oberbegriffe
[1] Veränderung
Unterbegriffe
[1] Meinungsumschwung, Stimmungsumschwung, Wetterumschwung
Beispiele
[1] Nach einer grunderkennenden theologischen Analyse, kann eine theolingual genannte Reformation und politolingual genannter Umschwung, als kooperative Modifikation der bestehenden Ordnung erfolgen; dabei ist Sorgfalt und Umsicht das Gebot der höchsten Würde.
[1] Was den Kapitän noch bestimmte, umzukehren, war der Umschwung des Wetters. (Ernst Constantin, Im Zauberlande, z.n. Projekt Gutenberg)
[1] Doch war ihm bald deutlich genug, wem er den Umschwung der Dinge zu danken hatte.(Max Eyth, Der Schneider von Ulm, 31. Umschwung, z.n. Projekt Gutenberg)
[1] Denn es unterlag keinem Zweifel, daß er nur seinen liberalen Anschauungen, die er bekanntermaßen schon im Vormärz bethätigt hatte, bei dem abermaligen Umschwung der Dinge zum Opfer gefallen sei. (Ferdinand von Saar, Schloß Kostenitz, z.n. Projekt Gutenberg)
[1] Das Altertum und das Mittelalter konnten daher auch keine soziale Entwicklung aufweisen; erst die Reformation, der erste, noch befangene und dumpfe Versuch einer Reaktion gegen das Mittelalter, brachte einen sozialen Umschwung, die Verwandlung der Leibeignen in "freie" Arbeiter, hervor. Aber auch dieser Umschwung blieb ohne viel nachhaltige Wirkung auf dem Kontinent, ja er setzte sich hier eigentlich erst mit der Revolution des achtzehnten Jahrhunderts durch. (Friedrich Engels, Die Lage Englands, I. Das achtzehnte Jahrhundert, z.n. Projekt Gutenberg)
[1] Nachdem aber der allgemeine Umschwung in der Lage kam, gab es auch in meiner Psychologie einen Knick. (Rosa Luxemburg, Briefe aus dem Gefängnis, Breslau, den 18. Oktober 1918, z.n. Projekt Gutenberg)
[1] Er trug auch jetzt noch den veralteten Kaiserbart, weil er es unter seiner Würde hielt, dem Umschwung der Verhältnisse an seiner Person Konzessionen zu machen, er war Demokrat durch und durch, ein treuer Diener der Republik, aber das schöne Kaiserbild von Angeli hing noch immer über seinem Schreibtisch. (Hugo Bettauer, Die Stadt ohne Juden, z.n. Projekt Gutenberg)
[1] Ein förmlicher Umschwung der öffentlichen Meinung war eingetreten. (Heinrich Albert Oppermann, Hundert Jahre 1770–1870, z.n. Projekt Gutenberg)
[1] Sie paßte sich auch schließlich dem Umschwung seiner Stimmung an und ließ davon ab, ihm seinen Rennehrgeiz ausreden zu wollen. (Otto Julius Bierbaum, Prinz Kuckuck, z.n. Projekt Gutenberg)
[2] Obschon sie da nützlich die Geister dieses Metalls vor vernichtender Aufbrausung bewahren, so haben sie aber doch einen immerwährenden Zug zu ihren Brüdern, und dieser Zug offenbart sich danach auf dieselbe Weise, wie wenn ihr eine elektrische Maschine in den Umschwung bringet, wodurch dann ebenfalls Geister entbunden werden. (Jakob Lorber, Naturzeugnisse, z.n. Projekt Gutenberg)
[2] Böse Schmerzen aller Gattung, ärger als man sie erträglich glauben möchte, waren mir verhängt: niemals aber wich das Bewußtsein und kaum einmal die Fähigkeit der Selbstbeobachtung, während ich mich so in einer höllischen Schaukel fühlte, nun aufwärts gewippt, nun mit unheimlicher Wucht und Schnelligkeit niedergerissen zur Erde, an der ich aber wiederum nur im rasenden Umschwung vorübersauste. (Jakob Julius David, Halluzinationen, z.n. Projekt Gutenberg)
[2] Den gleichmäßigen Umschwung des Erdballs trug ich in der zierlichen Kapsel, das Maß des Weltalls gehörte mir. (Kurd Laßwitz, Aspira, z.n. Projekt Gutenberg)
[2] Als jetzt das Rad in seinem Umschwung dem Meister Pierrat Quasimodo's Höcker zukehrte, hob er den Arm. (Victor Hugo, Notre - Dame, z.n. Projekt Gutenberg)
[2] Recht viel in dieser Hinsicht wird auch gewiß das neuerfundene sogenannte Harmonichord leisten, welches statt der Glocken, mittelst einer geheimen Mechanik, die durch den Druck der Tasten und den Umschwung einer Walze in Bewegung gesetzt wird, Saiten vibrieren und ertönen läßt. (E. T. A. Hoffmann, Die Serapions-Brüder, z.n. Projekt Gutenberg)
[3] Beim Umschwung kann der Arm gestreckt werden, um den Schwung zu vergrößern.
Redewendungen
[1] Der politische Umschwung folgt der Reformation.
[1] Die Reformation geht mit dem Umschwung einher.

Referenzen

[1] Wikipedia-Artikel Umschwung
[1–3] Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bände in 32 Teilbänden. Leipzig 1854–1961 Umschwung
[1,] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache Umschwung
[1] canoo.net Umschwung
[1] Uni Leipzig: Wortschatz-Lexikon Umschwung
Quellen

Substantiv, m

Kasus Singular Plural
Nominativ Umschwung Umschwünge
Genitiv Umschwungs
Umschwunges
Umschwünge
Dativ Umschwung Umschwüngen
Akkusativ Umschwung Umschwünge

Worttrennung

Um·schwung Um·schwün·ge
Aussprache
IPA ˈʊmˌʃvʊŋ, ˈʊmˌʃvʏŋə
Hörbeispiele: ,
Betonung
Ụmschwung

zählbar

Kasus Singular Plural
Nominativ der Umschwung die Umschwünge
Genitiv des Umschwunges, Umschwungs der Umschwünge
Dativ dem Umschwung den Umschwüngen
Akkusativ den Umschwung die Umschwünge
单数 复数